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My feature on “Same same but different”

January 22, 2010

Still from "Same Same But Different"

Detlev Buck´s movie “Same same but different” about the love between a Phnom Penh bargirl and a German back packer opened yesterday in Germany to predominatley good reviews. I wrote a piece about the premiere of the movie in Phnom Penh, but unfortunately only snippets of this text were published in Die Zeit (the particular columne where my text was published is not online) and die tageszeitung. As I still like the text in its entirety, here is the orginal version in German. I have no time to translate the text into Englsih, so here is an English translation, or rather: remix from Google Translator.

„Für Deutschland gut genug“

Detlef Bucks „Same same but different“ wurde in Kambodscha gedreht. Was denken eigentlich die Kambodschaner über den Film?

Von Tilman Baumgärtel

Das Cine Lux in Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, hat schon bessere Zeiten gesehen. Das Kino, um 1940 in einem späten Art Deco-Stil errichtet, war unter den einst mehr als 30 Lichtspielhäusern der Stadt das erste Haus am Platze, als das Land noch Teil des französischen Protektorats Indochina war. Hier liefen importierte französische Filme, hier hatten einige der Spielfilme Premiere, die Norodom Sihanouk, der kinobegeisterte ehemalige König des Landes, in seiner Freizeit drehte.

Doch heute ist die einst elegant geschwungene Fassade des letzten überlebenden Kino Phnom Penhs mit vergoldeten Gipsornamenten verunstaltet. Selbst das großzügig eingesetzte Raumspray kann nicht den unangenehmen Geruch im Zuschauerraum übertünchen. Weil in den vier Vorstellungen pro Tag selten mehr als zwanzig Besucher sitzen, stört das nur wenige. Die meisten von ihnen sind Teenager, die bei den thailändischen oder koreanischen Geisterfilmen, die von DVDs projeziert werden, vor lauter Schreck ein bisschen enger an Mitglieder des anderen Geschlechts heranrücken können. Der Besitzer des Cine Lux sitzt in Untersuchungshaft, weil er Gelder eines japanischen Investors für die Gründung eines neuen Fernsehsenders veruntreut haben soll. Wobei im zutiefst korrupten Kambodscha das Ungewöhnliche daran eigentlich nur in der Tatsache besteht, dass jemand für Veruntreuung ins Gefängnis geht.

Doch an einem Freitagabend Mitte Dezember ist alles anderes. Am Eingang halten straff gespannte Bänder in Blau-Weiß-Rot, den kambodschanischen Landesfarben, die Schaulustigen in der Reihe. Eine Menschenmenge drängelt sich auf dem Bürgersteig vor dem Kino und schiebt sich gelegentlich gefährlich auf den verkehrsreichen Norodom Boulevard. Die Fassade wird von Scheinwerfern angestrahlt. Ein riesiges Plakat über dem Eingang zeigt, warum heute hier so viel los ist: der deutsche Spielfilm „Same same but different“ von Detlev Buck, der Ende 2007 in Phnom Penh gedreht worden ist, hat heute abend seine kambodschanische Premiere.

Im gut gefüllten Kinosaal sitzt eine Mischung aus den mehr als 200 Kambodschanern, die an den Film mitgearbeitet haben, samt Freunden und Angehörigen, und westlichen Expats, die für die unzähligen Entwicklungshilfeorganisationen, NGOs und Stiftungen arbeiten, die das südostasiatische Land aus seiner Misere führen wollen. Seit drei Monaten gehöre auch ich zu dieser Klasse. Ich unterrichte an der Royal University of Phnom Penh Journalismus und will sehen, wie meine neue Heimat in einem deutschen Spielfilm aussieht. Und ich möchte natürlich vor allem wissen, was die Kambodschaner über das Bild denken, das da von ihrem Land gezeichnet wird.

Das Gedrängel am Eingang nimmt kein Ende, und so dauert es fast ein Stunde, bis endlich die buddhistischen Mönche in ihren orangen Tunikas, die geduldig im Schneidersitz vor der Leinwand warten, die Premiere mit segnenden Gebeten eröffnen können. Dann steht auf einmal Detlev Buck auf der Bühne, will eigentlich nur kurz die Hauptdarsteller David Kross (zuletzt in „The Reader“) und die Thailänderin Apinya Sakuljaroensuk („Ploy“) vorstellen, und dann noch das loswerden: „Als wir den Film beim Filmfestival in Locarno vorgestellt haben, war ich überhaupt nicht nervös. Aber heute abend bin ich es.“

Dann will er schnell wieder runter von der Bühne, aber da hat er die Rechnung ohne die lokalen Veranstalter gemacht. Denn die wollen sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, Kambodscha als Filmland mit Zukunft zu präsentieren. Ein Vertreter des Kultusministeriums, einer von der Kinokommission und der deutsche Botschafter treten einer nach dem anderen ans mit tropischen Blüten geschmückte Rednerpult und entfalten Manuskripte mit Grußworten. Während Buck und seine Crew langsam auf der hell erleuchteten Bühne versteinern, grüßen sie andere Exzellenzen, freuen sich über die gelungene deutsch-kambodschanische Kooperation, hoffen auf weiterhin gute Zusammenarbeit und wachsendes interkulturelles Verständnis und wünschen ansonsten viel Vergnügen.

Für die deutschen Filmemacher mag es eine Geste der Dankbarkeit gegenüber ihren kambodschanischen Mitarbeitern sein, den Film auch im Produktionsland zu zeigen – und ihn dafür sogar in der Landessprache Khmer zu synchronisieren. In Kambodscha ist es ein Politikum. Das bettelarme Land, das bis heute nicht die Folgen von blutiger Khmer-Rouge-Diktatur und Bürgerkrieg überwunden hat, will ausländische Filmproduktionen ins Land locken. Zu bieten hat es außer billigen Arbeitskräften, unberührten Stränden und anderen exotischen Lokalitäten wenig. In den Sechziger Jahren erlebte das kambodschanische Kino nach dem Ende der französischen Kolonialherrschaft eine kurze und intensive Blüte. Doch die Khmer Rouge mit ihrem Hass auf alles, was modern oder moderne Kunst war, zerstörten danach systematisch die gesamte Kinokultur, vernichteten technische Ausrüstung und ermordeten Regisseure und Schauspieler. Von dieser Vewüstung hat sich das Land bis heute nicht erholt.

Es gibt keine lokale Filmindustrie, und daher keine auch keine Techniker, keine Schauspieler, keine Studios, keine Filmlabors. Für „Same same but different“ wurde lange nach einer geeigneten Kambodschanerin für die weibliche Hauptrolle gesucht – vergeblich. Die Starlets, die in den lokalen Fernsehserien auftreten, können zwar auf Zuruf buchstäblich Rotz und Wasser heulen – wenn´s ganz dramatisch wird, tropft es in Nahaufnahme wirklich nicht nur aus den Augen, sondern auch aus der Nase. Aber für die schwierige Rolle des Bargirls Sreykeo musste man auf eine Thailänderin zurückgreifen.

Und die kambodschanische Regierung will auch nicht jede Art von Film in ihrem Land drehen lassen. Tief sitzt bis heute der Schock von Matt Dillons abstrusem Regiedebüt „City of Ghosts“ (2002), in dem Kambodscha als Land der Prostitution, der Landminen, der Warlords und der Entführungen gezeigt wird. Aber auch Großproduktionen wie „Tomb Raider“ (2001) mit Angelina Jolie, die erste internationale Produktion in Kambodscha seit David Leans „Lord Jim“ (1964), nutzen lediglich die Tempel von Angkor Wat als pitoreske Kulisse und hinterließen ansonsten wenig Spuren im Land – bis auf die Tatsache, dass der Film an jeder Ecke auf Piraten-DVD an Touristen verkauft wird.

Mit dem Drehbuch von „Same same but different“, das die deutschen Produzenten bei der Cambodia Film Commission einreichen mussten, um eine Drehgenehmigung zu bekommen, hatten die kambodschanischen Bürokraten offenbar keine Probleme. Obwohl es einmal mehr um Prostitution geht, überzeugte offenbar die Tatsache, dass der Film auf einem autobiographischen Buch beruht. Benjamin Prüfers Bestseller „Wohin du auch gehst“ von 2009 erzählt von der Liebe des Autors zu einer HIV-positiven Prostituierten in Kambodscha, die er auf einer Rucksack-Reise 2003 in der Ausländer-Diskothek „Heart of Darkness“ in Phnom Penh kennenlernte und nach einer dramatischen Fernbeziehung heiratet. Heute lebt das Paar mit einem Kind in Hamburg. Drei Monate drehte Buck an Orginalschauplätzen mit einem deutschen Team und vielen lokalen Mitarbeitern, einige von ihnen meine Studenten am Department of Media and Communication an der Königlichen Universität.

Und wie hat es ihnen gefallen? Eine Woche nach der Premiere sitzen wir im Seminarraum und diskutieren über den Film. Besonders begeistert ist keiner der Stundenten. Vor allem die Tatsache, dass die Hauptrolle von einer Thailänderin gespielt wird, hat alle geärgert – nicht zuletzt, weil eine Erzfeindschaft mit dem weitaus höher entwickelten Nachbarland Thailand von der kambodschanischen Regierung gerne geschürt wird, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Gerade hat Staatschef Hun Sen den ehemaligen thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin, der von Thailand mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, zum Wirtschaftsberater ernannt. Thailand hat daraufhin seinen Botschafter abgezogen und eine Reihe von Verträgen gekündigt.

So schlecht wie heute waren die Beziehungen zwischen den beiden Ländern seit 2003 nicht mehr, als ein kambodschanischer Mob in Phnom Penh die thailändische Botschaft stürmte und thailändische Restaurants und Geschäfte verwüstete. Ausgelöst wurde der Sturm der Entrüstung durch eine angebliche Äußerung eines thailändischen Starlets, die in einer Fernsehshow geäußert haben sollte: erstens seien alle Kambodschaner Würmer und zweitens gehöre Angkor Wat zu Thailand. Diese Aussage war zwar Resultat eine Fehlübersetzung, aber die vorher beliebten thailändischen Filme und Soap Operas verschwanden umgehend aus den damals noch existierenden Kinos und dem Fernsehen.

Dass eine Thailänderin eine Kambodschanerin spielt, widerspricht aber nicht nur dem Nationalstolz. Eine Studentin sagt: „Sie sieht überhaupt nicht aus wie eine Khmer. Für Deutschland mag das gut genug sein, aber in Kambodscha glaubt ihr keiner die Rolle.“ Und in den wenigen Szenen, in denen Apinya Sakuljaroensuk in ihrer Rolle nicht Pidgin-English, sondern Khmer spricht, das sie von großen Zetteln hinter der Kamera ablas, „versteht man sie überhaupt nicht.“

Anders als in anderen Ländern Asiens wird sich in Kambodscha nicht lange mit Höflichkeitsfloskeln aufgehalten. Meinungsäußerungen haben hier den Vorteil der Klarheit. Man sagt nicht unbedingt „Das gefällt mir nicht…“, sondern „Ich war sehr überrascht darüber, dass…“, aber dann wird Klartext geredet: „Ich verstehe nicht, warum die Ausländer immer nur die negativen Sachen von Kambodscha zeigen“, sagt ein Student. „Es gibt doch hier auch schöne Dinge.“

Dass die Szenen, die in den Straßen Phnom Penhs voller Gewimmel, Verkehrschaos und Kindern in Pajamas gedreht wurden, authentisch wirken, bestreitet keiner. Auch das Apartmentgebäude, dass im Lokaljargon La Building heißt und in dem Sreykeo mit ihrer Familie lebte, „sieht wirklich so aus“, sagt ein Student. Anerkannt wird, dass Buck an Orginalschauplätzen gedreht hat und kleinere Rollen mit lokalen Schauspielern und Amateuren besetzt hat. Aber trotzdem: „Es gibt in Kambodscha auch noch andere Geschichten als die über Armut und Prostitution.“ Und dann ist da noch Detlev Bucks lakonischer Stil, der dem Bedürfnis nach Drama widerspricht: „Das ist so wie diese französischen Filme“, sagt ein Student. „Es wird viel geredet, aber es passiert nicht so besonders viel.“

Chivoin Peou, der an der Universität Medientheorie unterrichtet, findet den Film „für Kambodschaner desorientierend. Da kommen so viele Sache zusammen, einige aus der Gegenwart, andere, die schon lange Vergangenheit sind.“ Besonders irritiert hat ihn eine Szene mit einem alten Mann, der nur mit einem Lendenschurz bekleidet, am Anfang des Films den deutschen Rucksacktouristen den Weg weist: „Solche Leute gibt es kaum noch.“ Misfallen haben ihm auch einige Szenen, in denen die Protagonisten im Dschungel mit Panzerfäusten aus der Bürgerkriegszeit schießen: „Diese Wildnis mit Landmienen und Herumballern ist für mich ein imaginärer Abenteuerspielplatz für den weißen Mann.“ Allerdings findet er auch: „Es ist sehr wichtig, dass man Kambodscha mal in einem professionell gemachten Filmen sieht, auch wenn uns die Thematik nicht gefallen mag.“

Auch bei den Studenten gibt nicht nur Kritik: Eine Studentin findet: „Das ist doch eine schöne Geschichte: Dass er sie heiratet, obwohl sie bargirl ist und auch noch AIDS hat, hat mich so gerührt.“ Ein anderer Student widerspricht: „Man versteht in dem Film gar nicht, was er an ihr findet. Sie ist doch ganz normal, einfach irgendein Mädchen. Warum bringt er all diese Opfer für sie?“

Und dann ist da noch dieser Elefant, der in einer Szene mitten durch ein Strassencafe stampft. „Das sieht aus, als gäbe es in Phnom Penh an jeder Ecke Elefanten“, sagt ein Student. „Dabei gibt es in der ganzen Stadt nur noch einen einzigen: als Touristenattraktion in der Tempelanlage Wat Phnom.“

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